Blog-Hype, das Web gestern, heute und morgen.

Der Hype um Blogs ist vorbei, das ist meine Meinung. Für mich sind Blogs eine Erscheinung, die das Mitmach-Web, Web 2.0, man kann es nennen wie man will, erst richtig an geschoben haben. Es ist vielmehr ein Hype gewesen, der von Blogs ausging, über Videoplattformen wie Youtube und weitere Dienste führte.Dienste, die es dem Nutzer ermöglichen, selbst am Netz aktiv teilzunehmen.

Eine Entwicklung, die vielen großen Medienunternehmen mittlerweile, mehr als nur Kopfscherzen bereitet. Warum? Weil sie es schlicht und ergreifend verschlafen haben oder nicht wahrhaben wollten, was sich im Web und in der Gesellschaft tut. Dazu aber später mehr, ersteinmal ein kurzer Blick, in die Geschichte des Web 2.0.

Gestern

Wer mitte der 90er Jahre eine eigene Webseite haben wollte, der musste viel technisches Wissen mitbringen und auch nicht wenig Geld. Mitte der 90er entstanden auch die ersten Blogs, Webtagebücher von Menschen, die anderen etwas mitteilen wollten. Die über Themen sprachen die sie selbst bewegten, ein Tagebuch im Web also. Anfangs sogar noch ohne Kommentarfunktion, was sich aber schnell änderte. Alles von Menschen, die die Technik sehr gut verstanden und anwenden konnten.

Immer mehr Menschen wollten selbiges tun, ein Tagebuch im Web führen oder einfach Inhalte veröffentlichen. Daraus entstand der Bedarf, für Software, die einem dies auf einfache Weise ermöglicht.

Es entstanden Tools wie WordPress oder auch Serendipity, die jeder auf seinem Webspace installieren kann. Wer es noch einfacher haben wollte, für den gibt es Dienste, die einem selbiges ermöglichen, dafür ist eine Registrierung erforderlich und schon kann es losgehen. Dazu zählen WordPress.com oder Blogger.com, es gibt aber noch viele weitere Angebote.

Schon bald war genügend Software, die noch dazu kostenlos und einfach zu bedienen ist, auf dem Markt. Auch das Hosting eigener Seiten, wurde immer Billiger, das Web entwickelte sich. Immer mehr Menschen veröffentlichten Informationen auf eigenen Seiten.

Die Nutzer der Tools stellten schnell fest, man muss damit nicht zwangsläufig ein Web-Tagebuch betreiben, man kann damit auch ganz normale Webseiten betreiben. Ein gutes Beispiel ist für mich WordPress, dass sich von einer Blogsoftware immer mehr zu einem vollwertigen CMS entwickelt.

Heute

Ganz ehrlich, die meisten Menschen wissen mit dem Begriff “Blog” nichts anzufangen. Sie surfen durch das Web und sehen Webseiten, egal ob es sich dabei um ein Blog, ein Forum, ein Wiki oder eine Newsseite handelt. Sie werden nicht aktiv, weil da Blog, Wiki oder etwas anderes drauf steht. Sie werden zu aktiven Usern, weil sie sehen das sie es können, es Spaß macht und ihre Meinung, Ideen, Anregungen gefragt sind.

Heutzutage sind die Möglichkeiten, sich aktiv im Web zu betätigen, fast unerschöpflich. Man kann Fotos hochladen, in sozialen Netzwerken seine Kontakte verwalten oder gar eigene Webseiten erstellen. All das ist so einfach geworden, dass immer mehr Menschen im Web aktiv werden.

Wer heute WordPress einsetzt, der tut dies nicht unbedingt um ein Tagebuch zu schreiben. Software wie WordPress wird heutzutage auch als CMS eingesetzt, es werden Newsseiten, Magazine, Galerien und sogar Firmenwebsites damit betrieben. Warum? Weil es geht, einfach ist und auch nicht wirklich Geld kostet.

Für Individualisten gibt es mittlerweile tausende von Vorlagen, die man hochladen oder gar nur durch einen Klick aktivieren muss und das nicht nur für WordPress. Sie verleihen der eigenen Seite, mit ein paar Klicks, eine individuelles Aussehen. Da vieles dazu noch OpenSource ist, kann man sogar die Software selbst und die Vorlagen anpassen oder man schreibt sogar eigene Vorlagen.

Heute mischen viele Menschen, Ideen, Wissen und Material von anderen mit dem eigenen. Dabei fließen natürlich auch Dinge ein, die von Unternehmen, Künstlern oder anderen Menschen garnicht dafür gedacht waren. Medienkonzerne versuchen heute durch Rechtemanagement, Abmahnungen oder gar Klagen, die Nutzer dazu zu bewegen, dies nicht zu tun. Das ist aber bei der Masse an Menschen absolut sinnlos, die Konzerne können garnicht gewinnen, vielmehr haben sie das moderne Web nicht begriffen.

Menschen die im Netz etwas mixen oder verwenden und dann wieder veröffentlichen, sind sich keiner unrechten Tat bewusst. Weil sie etwas Material nehmen, aber mindestens genausoviel wieder zurück geben, wenn nicht sogar deutlich mehr. Die Menschen heute, haben Geben und Nehmen so verinnerlicht, dass sie fasst schon vorraussetzen, was öffentlich angeboten wird, darf ich auch verwenden. Statt dies als Quelle unendlicher Ideen und Möglichkeiten zu begreifen, sprechen Medienkonzerne davon, dass ihre Rechte verletzt worden seien. Wo bezahlt ihr denn dafür, dass ihr die Ideen von Millionen von Menschen, in eure Produkte einfließen lasst?

Blogs haben mitgeholfen, das heute soviel von Menschen im Netz publiziert wird. Sie haben es ermöglicht, einfach und schnell seine eigenen Gedanken darzustellen. Dafür gesorgt das Software entwickelt wurde, die mit jeder Entwicklungsstufe einfacher wird, einfacher in Bedienung und Installation.

Ich selbst blogge heute eindeutig weniger, jedenfalls im klassischen Sinne. Aber Blogs, insbesondere WordPress haben mir durch das Bloggen gezeigt, wie einfach es ist, Inhalte zu publizieren. Heute setze ich diese Tools für klassische Webseiten, Magazine uvm. mehr ein. Und ich bin mir relativ sicher, ich bin nicht der einzige Mensch, dem es so ging.

Es war noch nie einfacher, selbst im Web aktiv zu werden, als heute und ich denke Blogs haben nicht wenig dazu beigetragen.

Morgen

Ich erlaube mir noch eine kleinen Blick in die Zukunft. Was dürfen wir im Morgen erwarten, wohin wird die Reise im Web gehen, wird es noch Blogs geben? Ich denke Blogs wird es auch in der Zukunft noch geben, ob im klassischen Stil, als Video-Blog oder auch als reiner Foto-Blog. Blogs werden noch interaktiver, wie das ganze Web auch. Vielmehr wird sich die Technik um das Bloggen entwickeln, denn ich denke Blogs sind mittlerweile ein Medium das man als festen Bestandteil des Webs bezeichnen kann.

Soziale Netzwerke werden als Unternehmen immer mehr in den Hintergrund treten, sie werden mehr zu anonymen Dienstleistern. Was ich damit meine, die Menschen wollen individuelle Seiten, Anwendungen und Spiele, da bleibt immer weniger Platz für das Branding des Netzwerkes. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass bei manchem Netzwerk das eigene Logo komplett verschwinden wird. Auch werden sie sich mit anderen Netzwerkanbietern mischen, noch offenere Schnittstellen wird es geben und man fühlt sich dann wirklich irgendwo in einer Wolke. Ich denke es ist der Beginn des eigentlichen Cloud-Computing.

Das mit dem öffnen gilt übrigens für die meisten Unternehmenungen, speziell im Web. Wer Erfolg haben will, der muss sich seinen Kunden, Mitarbeitern und eigentlich allen öffnen, sie mitmachen und selbst aktiv werden lassen. Und dabei wird das Urheberrecht, dass eigene Ego und eigene Ansprüche eine immer geringere, bis gar keine Rolle spielen. Schon heute Arbeiten tausende Menschen zusammen ohne große Hierarchien, einfach, weil es so mehr Spaß macht!

Medienunternehmen die alles was sie produzieren als ihr Eigentum betrachten, dass sie mit Anwälten, Abmahnungen und Rechtemanagement verteidigen glauben zu müssen, werden über kurz oder lang, untergehen. Denn schon jetzt sind sie im Prinzip machtlos. Wenn Tageszeitungen z.B. nicht bald ernsthaft anfangen, ihre Leserschaft mit einzubeziehen, sie aktiv werden lässt und dafür auch entlohnt, dann sehe ich schwarze Zeiten für solche Printprodukte.

Ein weiterern Trend im Web sehen ich darin, das Web als Vermittler für reale Angelegenheiten zu nutzen. Ein paar Beispiele, Veranstaltungen online planen, real stattfinden lassen. Termine mit Freunden, Bekannten und Kollegen online abgleichen. Auch Anwendungen die mir helfen, mich lokal zu informieren sind stark im kommen.

Was meint Ihr, haben Blogs das Web mitgestaltet? Was seht ihr in Zukunft im Web oder was würdet ihr gerne sehen und nutzen?


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Datum: 14. November 2009
Autor: Frank (Update-Leben)

2 Reaktionen zu “Blog-Hype, das Web gestern, heute und morgen.”

  1. [...] Digital Life analysiert das Gestern, Heute und morgen, mit eigenen, sehr spannenden Thesen gewürzt! Der Hype um Blogs [...]

  2. [...] ist logisch. Mit Blogs ist es genauso wie mit Tamagotchis, damals wollte jeder eines haben, der Hype war groß, doch schon kurze Zeit später war das Interesse nahe bei [...]

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